Sparen statt Verschenken: Lohnt sich ein Balkonkraftwerk MIT Speicher wirklich? (Die knallharte Spar-Analyse)
Daniel Weber
Veröffentlicht am 27.10.2025 · Lesezeit 10 Minuten
Abbildung 1: Modernes Balkonkraftwerk (2000W) mit integriertem Speicher für den heimischen Einsatz
Jeder, der seine Stromrechnung sieht, sucht nach Wegen zu sparen. Ein Balkonkraftwerk ist oft der erste Gedanke – aber was, wenn Sie tagsüber arbeiten und den größten Teil des selbst erzeugten Stroms "verschenken" müssen? Die Lösung könnte ein Speicher sein – aber lohnt sich die extra Investition wirklich? Wir rechnen es am Beispiel des Anker Solix 2000W Systems durch.
Seit dem „Solarpaket 1“ dürfen private Haushalte in Deutschland legal Balkonkraftwerke bis 2000 Watt betreiben – einfach per Stecker in die heimische Steckdose. Die Idee klingt perfekt: Eigenstrom produzieren, Stromrechnung senken. Aber die Realität für Berufstätige sieht oft anders aus.
Ein 2000W Balkonkraftwerk produziert den meisten Strom mittags zwischen 12 und 15 Uhr – genau dann, wenn die meisten von uns auf der Arbeit sind. Ein Teil des Stroms deckt zwar die Grundlast (Kühlschrank, Router – ca. 100-200 Watt), aber der Rest wird kostenlos ins Netz eingespeist. Abends, wenn Sie kochen, waschen oder fernsehen, ziehen Sie wieder teuren Strom für 35 Cent/kWh (oder mehr) vom Anbieter.
Hier kommt die Frage auf: Lohnt es sich, extra Geld für einen Speicher auszugeben, um diesen "verschenkten" Strom für den Abend zu sichern? Wir rechnen es am Beispiel des Anker Solix Systems genau nach.
Teil 1: Das Problem – Das "Berufstätigen-Dilemma"
Ein 2000W Balkonkraftwerk OHNE Speicher spart Geld – aber nur begrenzt. Die Gründe liegen in der Zeitsynchronisation von Produktion und Verbrauch:
- Zeitkonflikt: Sie sind tagsüber nicht zu Hause, während das BKW seine maximale Leistung liefert.
- Grundlast nur teilweise genutzt: Nur ca. 100-200 Watt des produzierten Stroms decken Ihre ständigen Verbraucher (Kühlschrank, Router).
- Verschwendeter Strom: Der Großteil (ca. 70%) werden kostenlos ins Netz eingespeist – Sie profitieren nicht davon.
Zusammengefasst: Sie sparen nur Strom für Ihre Grundlast. Der "wertvolle" Abendstrom, der Ihnen das meiste Geld kostet, muss voll bezahlt werden.
Abbildung 2: Stromproduktion (grün) vs. Stromverbrauch (rot) bei einem Berufstätigen – Ohne Speicher geht viel Strom verloren
Teil 2: Die Lösung – Strom-Zeitverschiebung (Speichern statt Verschenken)
Ein Balkonkraftwerk mit Speicher (meist 1 bis 2 kWh Kapazität) löst genau dieses Problem. Die Funktionsweise ist clever und einfach:
- Tagsüber: Speichern – Der Speicher lädt sich mittags mit dem überschüssigen Strom (dem überschüssigen Strom, der sonst ins Netz ginge) voll.
- Abends: Nutzen – Wenn die Sonne untergeht (ca. 17 Uhr), schaltet das System automatisch um.
- Strom sparen – Statt teuren Strom aus dem Netz zu kaufen, nutzen Sie den kostenlosen Solarstrom aus Ihrer Batterie für Kochen, Fernsehen oder Licht.
Zusammengefasst: Sie verschieben den Gratis-Strom vom Mittag zum Abend – genau dann, wenn Sie ihn am meisten brauchen.
Abbildung 3: Mit Speicher wird überschüssiger Mittagsstrom gespeichert und abends genutzt – Kein Strom mehr verloren
Teil 3: Die knallharte Spar-Rechnung – Lohnt sich das?
Jetzt kommt der wichtigste Teil: Wir vergleichen die Amortisationszeit (die Zeit, bis Sie Ihre Investition zurückerhalten) zwischen einem 2000W Balkonkraftwerk OHNE und MIT Speicher. Wir nutzen dabei realistische Preise (Ende 2025) und einen realistischen Strompreis von 35 Cent/kWh.
| Kriterium | SZENARIO 1: 2000W OHNE Speicher | SZENARIO 2: 2000W MIT Speicher (2,7 kWh) |
|---|---|---|
| Investition | ca. 800 € (2000W Module + Wechselrichter) | 1.240 € (Anker Solix 2000W + E2700 Pro Speicher) |
| Jahresproduktion | ca. 1.900 kWh/Jahr | ca. 1.900 kWh/Jahr |
| Selbstnutzungsrate | 30% (nur Grundlast) | 75% (mit Zeitverschiebung) |
| Gesparte kWh/Jahr | 570 kWh | 1.425 kWh |
| Ersparnis pro Jahr | 570 kWh × 0,35 €/kWh = 199,50 € | 1.425 kWh × 0,35 €/kWh = 498,75 € |
| Amortisationszeit | 800 € / 199,50 € = ca. 4,0 Jahre | 1.240 € / 498,75 € = ca. 2,5 Jahre |
Das überraschende Ergebnis:
Das Ergebnis ist beeindruckend: Obwohl die Investition für das Anker Solix Speicher-System höher ist (1.240 € vs. 800 €), ist die Amortisationszeit deutlich kürzer – nur 2,5 Jahre statt 4 Jahre!
Warum? Mit dem 2,7 kWh Speicher maximieren Sie den Wert Ihres selbst erzeugten Stroms. Die große Speicherkapazität ermöglicht es, den tagsüber produzierten Strom vollständig zu speichern und abends zu nutzen – genau dann, wenn der Strom am teuersten ist. Sie sparen fast 500 € pro Jahr statt nur 200 €.
Fazit: Für wen lohnt sich der Speicher?
Ein Balkonkraftwerk mit Speicher ist nicht für jeden die beste Lösung, aber es ist die wirtschaftlichste Lösung für die größte Nutzergruppe:
Ideal für Berufstätige (Pendler)
- Tagsüber (Mo-Fr) nicht zu Hause
- Hoher Verbrauch abends (Kochen, Waschen, Fernsehen)
- Ohne Speicher: Großteil der Produktion verschenkt
- Mit Speicher: Maximale Ersparnis durch Zeitverschiebung
Weniger geeignet für diese Gruppen
- Rentner/ Pensionisten, die tagsüber zu Hause sind
- Home-Office-Arbeiter mit tagaktivem Verbrauch
- Nur geringer Abendverbrauch (z.B. Singles)
- Hier reicht ein einfaches BKW ohne Speicher
Zusammengefasst: Ein Speicher für das Balkonkraftwerk ist kein "Luxus", sondern für Berufstätige eine Investition, die sich schneller amortisiert als ein einfaches System. Es lohnt sich, den "verschenkten" Strom zu retten – vor allem, wenn Sie abends viel Strom verbrauchen.
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